Was ist los im... ? Meike Gatermann
Was ist los im... ?                                                                                                             Meike Gatermann

Pierre Keller. My Colorful Life

Pierre Keller. My Colorful Life

Mit Texten vonHans Ulrich Obrist and Stephanie Moisdon

Franzöisch / Englisch

29 x 29 cm
ca. 408 Seiten
ca. 369 Abb.
Hardcover
€ 90,-

Februar 2018


ISBN 978-3-906803-55-5

Edition Patrick Frey

 

 

 

Circa viertausend Polaroids ersetzen Pierre Keller das
Tagebuch von zehn oder fünfzehn Jahren seines
Lebens. Sie entstanden im pulsierenden New York der
Siebzigerjahre, wo er bis 1983 lebte und arbeitete, auf
Reisen in Südamerika und im heimischen Lavaux.
Kunstschaffende wie Nan Goldin, Keith Haring, Michel
Basquiat und Robert Mapplethorpe waren seine
Weggefährten.

Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, aber auch
an die Tode der Menschen in seinen Bildern tauchen
die Photographien von Pierre Keller in alle Farben des
Regenbogens. Sie zeigen das ganze Spektrum des
schwulen Lebens: Braune Haut, milchiges Fleisch, rote
Schwänze, blanke Ärsche, weisse Dildos, freche
Statements, die neongrüne Heimlichkeit der Bath
Houses und Augenblicke nachdenklicher Poesie – zeitweise richtig blue. Anders als Mapplethorpe arbeitete Pierre Keller nie mit professionellen Photomodellen. Er fotografierte die Männer dort, wohin er ihnen gefolgt war, wohin sie ihm gefolgt waren. Seine SX-70 in der alten US-Armeehose stets bei sich beschreibt Keller das Photographieren als sexuellen Akt. Manchmal ging beides auch Hand in Hand. Selbstzensur kam nie in Frage, Genuss stand im Vordergrund: Schöne Männer, lukullische Freuden. Sein Blick ist durchaus auch ein kulinarischer. „Antiporno‘, wie Jean Tinguely meinte, den Pierre Keller noch heute bewundert: Bilder für das Kino im Kopf. Doch diese pralle Fülle fand damals keinen Anklang. Photographie war noch nicht Galerienkunst. In My Colorful Life kommen die Polaroids von Pierre Keller spät zu ihrem
verdienten Ruhm.

Pierre Keller (*1945 in Gilly, Kanton Waadt) ist ausgebildeter Grafiker und Fotograf. Er vertiefte seine
künstlerische Auseinandersetzung in Genua und New
York. Er war Direktor der ECAL von 1995-2011 und
fördert noch heute Kunst und Kultur als Gründungsmitglied
des Montreux Jazz Festivals und Präsident der
Vins Vaudois.
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