Was ist los im... ? Meike Gatermann
Was ist los im... ?                                                                                                             Meike Gatermann

Keine Ostergrüsse mehr ! Die geheime Gästekartei des Grand Hotel Waldhaus in Vulpera

Keine Ostergrüsse mehr ! Die geheime Gästekartei des Grand Hotel Waldhaus in Vulpera

Herausgegeben von Lois Hechenblaikner,
Andrea Kühbacher,
Rolf Zollinger

Mit Texten von Martin Suter, Andrea Kühbacher, Lois Hechenblaikner, Hans Heiss und Bettina Spoerri

Gestaltung: TGG Hafen Senn Stieger

Deutsch

19 x 27 cm
397 Seiten

489 Abb.
Hardcover
€ 52,-

März 2021


ISBN: 978-3-907236-19-2

Edition Patrick Frey

 

 

«Keine Ostergrüsse mehr!» – so heisst es mitunter auf Karteikarten des Grand Hotels Waldhaus in Vulpera, denn nicht jeden Gast wollte man wiederhaben. Concierge und Rezeptionist ertrugen ungehobeltes Benehmen der illustren und zahlungskräftigen Gäste stoisch, notierten jedoch ihre Erfahrungen auf den Karteikarten. Gäste wurden diskret beobachtet, Telefonate belauscht, passendes und unpassendes Verhalten kommentiert:


Wer war ein «Glanzgast»? Wer wurde als «Lückenbüsser» eingeschoben? Wer schleicht sich auf den Etagen herum? Wer hätte gerne 12 Gigolos? Wer will nebeneinanderliegende Zimmer mit diskreter Verbindungstür? Welche Gäste bekamen die Notiz: bekennender «Rappenspalter», liebt «billige Forellen». Was musste passiert sein, dass man «Kleiner Mann mit grosstuerischem Auftreten», «blöder Kerl» und «eitler Tropf ,«hat Haare auf den Zähnen», «Beisszange» oder «Ziege» notierte? Wie veränderte sich der Ton der Angestellten gegenüber jüdischen Gästen? Wie begegnete man den hochrangigen Nationalsozialisten? Wie jenen Gästen, die den Holocaust überlebt hatten und nach dem Krieg wiederkamen? Warum schrieb man auf Karteikarten von jüdischen Gästen «Tiroler» oder «P»?


Das Waldhaus, in dem auch Friedrich Dürrenmatt verkehrte, brannte 1989 aufgrund einer bis heute ungeklärten Brandstiftung ab. Zwanzig Jahre später ging das Gerücht um, dass die teilweise hochbrisante Gästekartei dieses Hotels aufgetaucht sein soll. Der letzte Direktor des Waldhauses, Rolf Zollinger, hütete als leidenschaftlicher Sammler die Karteikarten mit grosser Sorge. Weil sie in einem Nebengebäude gelagert waren, blieben jene 20.000 Karten von den 1920er-Jahren bis in die 1960er-Jahre vom Brand verschont.


2011 kam Lois Hechenblaikner diesen Karteikarten auf die Spur. Vier Jahre benötigte er um Rolf Zollinger davon zu überzeugen, die Karten als Buch herauszugeben. Gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Andrea Kühbacher arbeiteten sie die Karteikarten auf, sortierten und ordneten sie in 17 Themengruppen, kommentierten die Einträge und waren so in der Lage geheime, auf den Karteikarten vermerkte Codes zu entschlüsseln.


Der Tiroler Fotograf und Künstler Lois Hechenblaikner setzt sich kritisch mit dem tourismusbedingten Wandel der Gesellschaft im Alpenraum auseinander und dokumentiert dies – zuletzt mit dem Fotobuch «Ischgl» – ungebrochen neugierig. Zusammen mit Andrea Kühbacher und Rolf Zollinger rekon-struierte er anhand der Karteikarten die Atmosphäre des Grandhotels in Vulpera.

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