Was ist los im... ? Meike Gatermann
Was ist los im... ?                                                                                                             Meike Gatermann

Kunstpreis der Stadt Wolfsburg 2017: Julius von Bismarck. Gewaltenteilung

"Junge Stadt sieht Junge Kunst" Wolfsburger Kunstpreis 2017: Julius von Bismarck

Städtische Galerie Wolfsburg 11.11. 2017 - 3.06. 2018

 

 

Julius von Bismarck (*1983) ist der diesjährige Preisträger des alle drei Jahre vergebenen Wolfsburger Kunstpreises Junge Stadt sieht Junge Kunst. Der in Berlin lebende Künstler verbindet in seinen Arbeiten Kunst und Wissenschaft. Mit seinen Installationen, Videoarbeiten und Performances untersucht Julius von Bismarck unser Wahrnehmungsverhalten, unsere Sicht auf die Natur. Dabei faszinieren ihn Naturphänomene und künstlerische Eingriffe in die Natur, die erst auf den zweiten Blick für Irritationen sorgen.

 

Für die Ausstellung in der Städtischen Galerie Wolfsburg hat er sich das hochaktuelle Thema Naturgewalten vorgenommen. Schon in der Vergangenheit hat er Blitze eingefangen, sie in einem Video verarbeitet, das in der Ausstellung zu sehen sein wird. Er war in Italien, um vor Ort die gigantischen Ausmaße der Waldbrände festzuhalten und er ist nach Havanna gereist, wo der Hurrikan Irma katastrophale Schäden hinterlassen hat. Für Julius von Bismarck geht es dabei auch um die Gewaltenteilung von Erde, Wasser, Luft und Feuer. Naturgewalten, die schon immer unser Leben bestimmt haben, jetzt aber mit zerstörerischer Gewalt auftreten.

 

Die Arbeiten von Julius von Bismarck, Meisterschüler von Olafur Eliasson, sind als künstlerische Forschung zu verstehen, als Versuch und Methode zugleich, die im Allgemeinen als getrennt begriffenen Systeme der Kunst und der Wissenschaft zu verbinden. „Ich ziehe meine Inspiration aus der Wissenschaft und arbeite künstlerisch“, sagt er selbst. Mit seinen Installationen, Videoarbeiten und Performances untersucht Julius von Bismarck den menschlichen Wahrnehmungsapparat und fordert unsere perzeptiven Gewohnheiten heraus. Sein interdisziplinärer Ansatz ist eine schöpferische Befragung der Welt und der Natur, die der Mensch zunehmend verwandelt.

 

Einem größeren Publikum bekannt wurde Julius von Bismarck 2015, als er auf der Art Unlimited der Art Basel seine Performance „Egocentric System“ vorführte, die sich rasant zu einem Publikumsmagneten entwickelte. Dabei setzte er sich selbst ins Zentrum einer schnelldrehenden Betonschüssel. An einem Tisch sitzend oder auf einer Matratze liegend testete der Künstler Raum und Geschwindigkeit, während die Welt außerhalb seines Systems an den Rand rückte. In einer früheren Arbeit ließ er in Landscape painting (2015) ein Stück Dschungel in Mexiko erst mit weißer Lebensmittelfarbe ansprühen, um hinterher die Blätter wieder mit einem Pinsel und Acrylfarbe in den Urzustand zu bemalen. Oder in Punishment 1 (2012) peitschte er in Anlehnung an die Sage des altpersischen Königs Xerxes I die Alpen und das Meer aus. Er wollte Orte bestrafen, die von Künstlern als Idylle verklärt wurden.

 

Der Kunstpreis ist mit einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Wolfsburg und einer umfangreichen Publikation verbunden. Zusätzlich gibt es einen Ankauf für die Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg. Der Preis wurde 1959 erstmals verliehen und versteht sich als eine fördernde Initiative für Künstlerinnen und Künstler, die sich in der Mitte ihrer Laufbahn befinden. Idealerweise kann er als Katalysator für Rückschau und Weiterentwicklung wirken.

 

 

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