Was ist los im... ? Meike Gatermann
Was ist los im... ?                                                                                                             Meike Gatermann

Was ist los im November?

Apropos Visionär

Der Fotograf Horst H. Baumann

 

ZEPHYR – Raum für Fotografie in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, 06.11.2022 - 29.05.2023

 

Horst H. Baumann, 1934 in Aachen geboren, zählte zu den Shooting-Stars seiner Generation – ein schon in jungen Jahren mehrfach ausgezeichneter, in den gedruckten Medien omnipräsenter, höchst erfolgreicher Fotograf, der wohl nur deshalb in Vergessenheit geraten ist, weil er sich in späteren Jahren nie um die Musealisierung seiner Arbeit gekümmert, sondern fast ausschließlich mit Laserkunst beschäftigt hat. Die frühe Schwarzweiß-Fotografie von Horst H. Baumann zeichnet ein hohes Maß an Empathie und sein ehrliches Interesse an sozialen Themen aus. Markant wird Baumanns Werk durch seine konsequente Suche nach einem eigenen Ausdruck in der Kamerakunst, nach einer Bildästhetik im Geist eines, wie man heute sagen würde, „subjektiven Dokumentarismus“. Noch aus dem vermeintlich banalsten Sujet wusste Baumann durch den gezielten Einsatz partieller Schärfe, durch kühne An- oder Ausschnitte, dynamische Perspektiven oder ein Spiel mit Vorder- und Hintergrund seine Art von Fotografie zu extrahieren. So überraschte und irritierte er immer wieder und wusste sich vom eher journalistischen Zugriff seiner Zeitgenossen abzusetzen. Hinzu kam sein frühes Interesse an der Farbe, die Baumann schnell als zusätzliche große künstlerische Herausforderung begriff, wofür er schon Mitte der 1960er Jahre internationale Anerkennung gewann. Ganz im Sinne von „New Color“ fotografierte Baumann nicht einfach farbig, er dachte die Farbe und nutzte sie als Stil- und Ausdrucksmittel. Am bekanntesten sind hier sicher seine Bilder aus der Formel 1 in den 1960er Jahren. Ganz neu zu entdecken sind seine freien Arbeiten, die seit den 1950er Jahren von Eleganz, Schönheit und Dynamik geprägt sind, die ihresgleichen suchen.

 

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Emanuel Halpern. Paradoxer Schattenboxer

 

Wir leben in einer Welt größter Widersprüche – dies zeigt der Schweizer Künstler Emanuel Halpern in seinem neuen Buch ganz deutlich. Wir folgen Hunn und Altermann durch einen retro-sci-fi Öko-Krimi bester Film-Noir-Machart mit Boss Al Pacone, seinen Gangstern und korrupten Beamten. Natürlich dürfen auch ein CEOFiesling und die Kreuzfahrtflotte Preperline nicht fehlen; „eine Dolce-Vita-Weltuntergangssekte, auf dem neusten Stand verfügbarer Technik gegen alle denkbaren Katastrophenszenarien gerüstet“. Akut bedroht ein gelegter Waldbrand den Schauplatz und versperrt das Grenzgebiet zwischen Pappstadt und Puerto Paradisio. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es doch, den Brand schließlich einzudämmen und ein drei Tage andauernder Landregen bringt der geschundenen Flora die ersehnte Linderung. Happy End! Oder? Nahezu exzessiv treffen verschiedenste Genres, Charakteren und Themen in der kurzen Geschichte collagenartig aufeinander. In saloppem Erzählton werden auf engstem Raum Religion, Politik, Kunstgeschichte, Klima und Umwelt adressiert und nicht nur beiläufig die großen Fragen gestellt: Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Worin unterscheiden sich Kultur von Propaganda, Kunst von Sport? Den dringlichen, ja todernsten Themen entgegen steht auch in der anschließenden Bildergeschichte Emanuel Halperns fantasievolle, anheimelnd vertraut wirkende Bildsprache; die Farben Kinderbuch-bunt und die Konturen angenehm weichgezeichnet. Man könnte sich fast einreden, dass es um die Welt doch nicht so schlimm stehe. Aber nur fast. Eine Realität, die sich dermaßen der Katastrophe zuneigt, kann man eben doch nur komisch darstellen.

 

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Alexandra Papadopoulos. Die Verzauberung des Werts. Blockchains und die Folgen

 

Ohne Kryptographie wäre vielleicht das ganze Internet noch immer jenes kleine, offene, dezentrale und frei zugängliche Spielfeld für Nerds, Gamer:innen und Wissenschaftler:innen. Gleichzeitig wäre Handel und E-Commerce nicht möglich. Kryptographie ist die Technologie, die sichere Transaktionen zwischen Teilnehmenden, die sich nicht kennen, ermöglicht. Der Wert einer funktionierenden Kryptowährung liegt allein in ihrer pseudonymen und dezentralen Transaktionsform. Kryptos garantieren einen Markt ausserhalb sozialer Bindungen und Verpflichtungen, sie sind das Geld der libertären Ideologie. Die Blockchains als ewige Liste vergangener Transaktionen sind ihre Geschichte.

 

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Rogers Brubaker. Trans. Gender und Race in einer Zeit unsicherer Identitäten

 

Im Sommer 2015, kurz nachdem sich Caitlyn Jenner zu ihrer Identität als Transgender bekannt hatte, wurde Rachel Dolezal, Präsidentin einer Ortsgruppe der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) durch ihre Eltern als weiss ‚geoutet‘. In der Folge entbrannte in den Medien eine hitzige Debatte über die Fluidität von gender und race. Wenn Jenner sich rechtmässig als Frau identifizieren konnte, konnte sich Dolezal nicht ebenso als schwarz identifizieren? In einer Zeit, in der gender und race neu definiert und rekonstruiert werden, erkundet dieses Buch fruchtbare neue Wege, um über Identität nachzudenken.

 

>>> zum Buch Edition Patrick Frey

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