Was ist los im... ? Meike Gatermann
Was ist los im... ?                                                                                                             Meike Gatermann

Was ist los im November?

Udo Hesse. Tagesvisum Ost-Berlin

Fotografien aus Berlin-Mitte, Prenzlauer Berg und Köpenick in den 1980er Jahren

 

Es war Anfang der 1980er Jahre als der in West-Berlin lebende Fotograf Udo Hesse mit seiner Kamera durch Ost-Berlin zog und das, was er sah, festhielt. Er geriet in die Fänge der Volkspolizei und Stasi, seine Negative wurden beschlagnahmt. Fast 30 Jahre später fand er einen kleinen Teil davon als Fotoabzüge in seinen Stasi-Akten wieder. Diese Fotos und die Erzählung von Udo Hesse über seine Begegnung mit der Stasi sind ein eindrückliches Zeitdokument.

 

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Mimi von Moos. Die Verwandte. Aus den fotografischen Nachlass der Anne-Marie von Wolff

 

Es ist der Klassiker: Eine Bananenschachtel voller Fotografien beim Großvater entdeckt. Mimi von Moos, Urgroßnichte von Anne-Marie von Wolff (1893–1974), entdeckte diese Schwarzweißaufnahmen aus den 1930er- bis 50er-Jahren. Anne-Marie von Wolff führte schon früh das Leben einer Außenseiterin. Epileptische Anfälle als Kind, Tuberkulose und der Vorwurf, durch diese Erkrankung den Tod einer Nichte verursacht zu haben, drängten sie immer weiter aus dem sozialen Leben, machten sie aber möglicherweise auch zu jener aufmerksamen Beobachterin, die sie war. Ihre Kamera gab ihr einen Platz in der Welt und im Familiengefüge. Still und etwas streng soll sie gewesen sein, doch ihre Aufnahmen des Alltags, der Sommerfrische oder auf Schloss Mauensee beim Cousin, dem Journalisten und Schriftsteller Karl von Schumacher, zeugen von zärtlicher Zuwendung und überzeugen durch starke Kompositionen. Ihr künstlerisches Talent blieb zeitlebens unbeachtet.

 

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Philippe Dudouit. The Dynamics of Dust

 

Dieses fotografische Langzeitprojekt des Schweizer Fotografen Philippe Dudouit (*1977) setzt sich mit der Sahel-Sahara-Zone und der einst nomadischen Bevölkerung auseinander. Das frühere Touristenparadies ächzt. Islamistischen Terrorismus wird dafür verantwortlich gemacht, aber genauer betrachtet ist es ein gefährlicher Cocktail aus wirtschaftlicher Unterentwicklung, Armut und Staatsversagen. In das Vakuum nistete sich eine komplexe Struktur militarisierter Islamisten, Menschenhändler, Drogen- und Waffenschmuggler ein. Hinzu kommt die Korruption, befeuert durch die Interessen großer Konzerne an Öl, Gold und Uran. Hier wächst eine verlorene Generation junger Menschen heran, der oftmals nichts anderes übrigbleibt, als zu flüchten – ins Ausland oder in die Kriminalität. Dudouit wechselt zwischen analoger und digitaler Aufnahmeverfahren– sich an der Wüstenfotografie der Kolonialzeit orientierende, tableauhafte Großformatfotografie wechselt sich mit digitalen Aufnahmen ab, die sich teilweise auch nur aus an den Fahrzeugen befestigten Prosumer-Kameras speisen.

 

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Joyce Rohrmoser. Rent a Foreigner

 

Seit einigen Jahren steht China nicht nur für die massenhafte Herstellung und den Export von billigen Industrieprodukten, sondern auch für den Import von europäischer Luxuswaren. Und um die Echtheit der sündhaft teuren Waren zu beglaubigen, holt man sich „laowai“ ins Land, Menschen mit Gesichtern, die Chinesen als besonders ausgeprägt europäische Physiognomien wahrnehmen und für vornehm, kulturell überlegen, prominent halten. Ihr Job ist es, bei Events, Eröffnungsfeiern, Jubiläen dafür einzustehen, dass es sich tatsächlich um originaleuropäische Waren handelt. Die Fotografin Joyce Rohrmoser wurde als „laowai“ von jener chinesischen Firma engagiert, die das italienische Pelzunternehmen ihrer Familie gekauft hatte und nahm in den Jahren 2015 und 2016 an diversen Eröffnungen von neuen Outlet Centern für Luxuswaren made in Italy in ganz China teil. Dabei spielte sie nicht nur ihre Rolle, sondern dokumentierte es auch. Ihre Fotos zeigen die riesigen Paläste des Kommerzes und junge Mitarbeiter im mittleren und gehobenen Management dieser Unternehmen, die sich in Kleidung, Attitüde, Habitus ganz an dem orientieren, was sie für europäischen Chic halten und sich im Übrigen für ihren europäischen Traum bis zur völligen Erschöpfung verausgaben. Joyce Rohrmoser wertet nicht. Sie ist von dem teils brachialen, teils hochkomischen Ineinander von Täuschung und Selbsttäuschung, von Imitation und Aneignung, von kopiertem Original und originaler Kopie fasziniert.

 

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Manon. Federn

 

„In diesen Aufzeichnungen ist von einem Film die Rede, der fürs Kino hätte gedreht werden sollen. Es ist von einer Biografie die Rede, die eine Journalistin hätte schreiben wollen. Beides habe ich schließlich abgesagt, wie so manches andere auch.“ Es blieben aber die hier erstmals veröffentlichten Notizen, die die Schweizer Künstlerin Manon 2005 für

besagten Dokumentarfilm festgehalten hat – vordergründig als Tagebuch angelegt, entpuppt sich Federn als vielschichtiges Narrativ, das sich beim Lesen in einen kurzen, konzentrierten, aber dennoch federleichten Überblick über Manons Leben, Kunst, Männer und Alltag auffächert.

 

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